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Interview Econo Rhein-Neckar mit Nicole Truchseß

1. „Der Mensch ist, was er denkt, was er denkt, strahlt er aus. Was er ausstrahlt, zieht er an.“ Inwiefern hat diese Erkenntnis des deutschen Dramatikers und Lyrikers Christian Friedrich Hebbel aus dem 19. Jahrhundert bis heute Gültigkeit?
Antwort: Die Erkenntnis hat bis heute Gültigkeit. Dazu reicht schon die Überlegung, wie die Reihenfolge der nächsten drei Begriffe lautet und die Klarheit, wie stark der Zusammenhang ist. Bewegung, Sprache, Gedanke. Auch im Zeitalter der Digitalisierung und Globalisierung kommt zuerst der Gedanke, dann die Bewegung des Körpers (Mimik/Gestik) und erst zum Schluss die Sprache. Meine Gedanken prägen meine Einstellung, meine Haltung zu den unterschiedlichsten Themen und mein Körper verrät, was ich wirklich davon halte. Und als Endergebnis ziehe ich genau das an, was ich ausstrahle. Denken Sie einfach daran, wie Ihnen Menschen auf der Straße begegnen, wenn Sie diese bewusst anlächeln. Ihr Lächeln wird erwidert, oft wird man sogar gegrüßt. Das ist eines der simpelsten Beweise für die Gültigkeit dieser Aussage.

2. In Ihrem Buch „Glaubenssätzen auf der Spur“ haben Sie den Begriff des „Hirngespensts“ geprägt. Was muss man sich darunter vorstellen? Und wie unterscheidet es sich vom Hirngespinst? Antwort: Die Hirngespenster sind personifizierte Glaubenssätze. Die Figur soll dem Buch und dessen Inhalt mehr Leichtigkeit und auch ein wenig Humor verleihen. Der Begriff Hirngespinst symbolisiert eher, dass jemand sich etwas nur einbildet. Der Grad der beiden Ausprägungen kann ganz unterschiedlich ausfallen.

3. In welchem Umfeld fühlen sich „Hirngespenster“ am behaglichsten? Antwort: Wenn wir verunsichert sind oder uns gestresst fühlen. Das ist der ideale Nährboden für Hirngespenster. Dann entfalten sie ihre volle Wirkung, denn gerade wenn wir emotional instabil sind, sind wir am meisten beeinflussbar und verletzlich. Wiederholungen und vermeintliche –unbewusste-Bestätigungen geben dem Hirngespenst zusätzlich Sauerstoff.

4. Warum sind sie so gefährlich für unseren Arbeitsalltag, aber auch abseits des Berufs? Antwort: Weil sie uns meist mehr hemmen als unterstützen, auf falsche Fährten führen und unser Verhalten negativ beeinflussen. Hirngespenster hindern uns gerade im Beruf daran, unser vollständiges Potential zu entfalten und verschlechtern -auch im privaten Alltag- unsere Kommunikationsqualität. Im schlimmsten Fall werden sie zu echten und schwerwiegenden Blockaden.

5. Sowohl im Vertrieb als auch in der Vertriebsberatung haben Sie über viele Jahre hinweg Erfahrungen gesammelt. Erinnern Sie sich an ein Beispiel aus der Praxis, das zeigt, wie tief verwurzelte Glaubenssätze Verkäufer ausbremsen? Antwort: Ja, da fallen mir gleich zahlreiche Beispiele ein. Am Anfang meiner Laufbahn als Vertriebstrainerin war ich der festen Überzeugung, durch professionelles Vermitteln von Fachwissen, also rein kognitiv, müsste doch jeder in der Lage sein, die Inhalte (früher oder später) auch umsetzen oder empfohlene Prozesse anders gestalten können. Natürlich spielen auch hier Themen wie Sinnhaftigkeit, Motivation oder „Schmerz“ eine Rolle. Ein tief verwurzelter Glaubenssatz -gerade im Vertriebsbereich- ist, dass man andere (also in dem Fall die Kunden) so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte. Allein dieses Hirngespenst führt dazu, dass man mit einem selbst gebauten Filter die Kunden betrachtet und von sich auf andere schließt. Nur jeder von uns ist total unterschiedlich und möchte auch auf verschiedene Arten angesprochen werden. Äußerungen wie: „So möchte ich selbst aber nicht akquiriert werden“ sind somit menschlich absolut nachvollziehbar, nur interessiert das niemanden (Ausnahmen bilden hier selbstverständlich unseriöse oder rechtlich bedenkliche Herangehensweisen). Entscheidend ist doch, wie mein Kunde das sieht, welcher Verhaltenstyp er/sie ist, welche Funktion/Aufgabe er/sie hat und welchen Mehrwert ich ihm/ihr bieten kann. Der Glaubenssatz kann somit gewandelt werden: „Behandle andere so, wie sie behandelt werden möchten:“

6. Haben wir Erfolg, verbuchen wir diesen gerne auf unser eigenes Konto. Misserfolg hingegen lasten wir gerne anderen an, die vermeintlich auf der Sonnenseite des Lebens stehen, betrachten uns als Pechvogel oder ohnmächtiges Opfer widriger Umstände. Diese Erklärungsmuster spenden vermeintlich Trost. Weshalb ist dieser aber trügerisch? Antwort: Diese Muster verhindern eindeutig die Chance, unsere Mitmenschen (beruflich und/oder privat) tiefer wahrzunehmen, genauer hinzuschauen und bremsen uns letztendlich in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

7. Was wir in früher Kindheit erleben, prägt nachhaltig unsere Sicht auf die Welt und auf uns selbst. Welche Rolle spielt die Familie bei der Entwicklung unserer Denkmuster im Berufsleben? Antwort: Eine sehr Große. Die Familie und die eigene Rolle in der Familie prägen unser Verhalten und das eigene Rollenverständnis im Job. Gerade Vertrauenspersonen lassen wir nah an uns heran und somit haben diese die allerbesten emotionalen Voraussetzungen dafür, uns Hirngespenster einzuflüstern, da diese nicht hinterfragt, sondern immer als wahr angenommen werden. Dieses Wissen kann jeder von uns somit nutzen und Gutes bewirken, indem bewusst positiv besetzte Glaubenssätze verankert werden. Das gilt auch für Erzieher, Lehrer und Führungskräfte.

8. Viele Glaubenssätze und damit verbundene Denkfehler fußen auf Verallgemeinerungen. Wie lassen sich diese entlarven? Antwort: Indem ich sie hinterfrage und nach Beweisen suche. „Wer hat das behauptet?“, „Wo habe ich das gehört?“, „Von wem habe ich das übernommen?“, „Gibt es Statistiken, Aufzeichnungen oder sonstige konkrete ZDF dafür?“.

9. Was können wir dabei von Monty Python und der „Judäischen Volksfront“ lernen? Antwort: Dass wir gut klingende Aussagen und Parolen, die vielleicht auch noch medienwirksam perfekt für die Allgemeinheit aufbereitet sind, hinterfragen und Gegenbeweise suchen. Und nicht einfach ungefiltert weitertragen oder selbst immer wieder wiederholen. Gute Fragen bereiten den Hirngespenstern Unbehagen und zerstören somit deren Nährboden.

10. „Hirngespenster“ aufzuspüren, ist das eine. Sie zu bannen, das andere. Haben Sie ein bis drei konkrete Tipps, mit denen das im (Arbeits-)Alltag der meisten Menschen gelingen kann? Antwort: Es gibt kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen als Tipps. Voraussetzung dafür ist das sich bewusstmachen und die damit verbundene Sensibilisierung für Glaubenssätze. Als erste Hilfemaßnahme empfehle ich inne zu halten, tief ein- und auszuatmen und den Glaubenssatz aufschreiben. Führen Sie eine Art Notizbuch und betrachten Sie Ihr Hirngespenst näher. Im zweiten Stepp wenden Sie Magic Words, wingwave oder Refraiming für die Lösung von Blockaden an. Die jeweilige Vorgehensweise ist im Ratgeber als Selbsthilfe sehr gut beschrieben. Und beleuchten Sie auf jeden Fall Ihr soziales Umfeld. Wer tut Ihnen gut und wer ist stetig ein Energieräuber? Denken Sie daran, dass Fähigkeiten wie Resilienz und Stressregulierung optimale Vorsorgemaßnahmen gegen Hirngespenster sind.

11. Inwiefern kann „Reframing“ durch eine Veränderung des Blickwinkels neue Handlungsspielräume erschließen, damit die Menschen gegenüber ihren persönlichen „Hirngespenstern“ die Oberhand gewinnen? Antwort: „Reframing“ ist eine psychologische Technik, bei der es darum geht, etwas (sein Problem, seine Situation, sein Verhalten) neu zu bewerten und somit auch mental stärker zu sein. Daraus können sich dann neue Handlungsmöglichkeiten ergeben. Eine solche Umwertung liegt zum Beispiel vor, wenn jemand sagt: „Aus heutiger Sicht war die Kündigung das Beste, was mir passieren konnte“, weil er ein Jahr später in einem neuen Job arbeitet, in dem er viel zufriedener ist als zuvor. Je öfter man sich darin übt, negativen Glaubenssätzen auch etwas Gutes abzugewinnen und diese schriftlich notiert, desto geringer sind die Chancen eines Hirngespenstes, die Oberhand zu gewinnen.

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