Schenkt man zahlreichen Meldungen in diversen Medien Glauben, herrscht seit geraumer Zeit ein akuter Fachkräftemangel in Deutschland. Es wird wild spekuliert woran das nun liegt und wie man dagegen vorgehen könnte.

Angefangen von der Fachkräfte-Zuwanderung aus Drittstaaten über die duale Berufsausbildung bis hin zum vermehrten Einsatz von schlummernden Arbeitsmarktressourcen, wie etwa das Einstellen von älteren Mitarbeitern, das Zurückholen von Frauen in der Elternphase oder ein breiteres Angebot für Teilzeitstellen.

Blickt man in das Lager der Bewerbersieht die ganze Sache schon anders aus. Hier wird von zu geringen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen gesprochen oder dass die Unternehmen einfach zu wählerisch seien. Hoch qualifizierte Fachkräfte suchen oft monate- bis jahrelang, um einen passenden Job zu bekommen. Oftmals bekommen diese Bewerber nicht einmal eine Rückmeldung vom Unternehmen, geschweige denn dass sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen würden.

Wer hat denn nun recht? Fehlt es Deutschland wirklich an Fachkräften oder haben Unternehmen einfach den Bewerbungsprozess nicht verstanden?

Im nachfolgenden Artikel möchten wir auf dieses brisante Thema näher eingehen und die möglichen Ursachen näher beleuchten.

Was bedeutet denn Fachkräftemangel eigentlich? Die Definition

Bevor wir versuchen herauszufinden, was es denn mit dem akuten Mangel an qualifiziertem Personal in Deutschland wirklich auf sich hat, möchten wir zuallererst den Begriff Fachkräftemangel erklären.

Das Wort „Fachkräftemangel“ bezeichnet eine Situation in der Wirtschaft, in welcher die Zahl an freien Stellen weitaus höher ist als die Anzahl der qualifizierten arbeitssuchenden Personen, die diese Positionen einnehmen könnten. Es gibt also einen Mangel an Fachkräften oder einen Überschuss an guten Stellen.

Warum finden Akademiker und andere Fachkräfte trotz Fachkräftemangel keinen Job?

Bestünde wirklich ein Fachkräftemangel, ließe sich also daraus schließen, dass jede qualifizierte Person in Deutschland relativ leicht und in kurzer Zeit einen gut bezahlten Job müsste.

Warum hören wir aber trotz der zahlreichen freien Stellen dann immer wieder von hochqualifizierten Fachkräften, die nach vielen Monaten und etlichen Bewerbungen doch keine Stelle in ihrem Fachgebiet finden.

Was sagt die Statistik über den Fachkräftemangel?

Viele Fachkräfte werden von den Statistiken gar nicht erfasst, da sie sich entweder in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit befinden oder um über die Runden zu kommen vorübergehend einen anderen Job gesucht haben.

Allein in Berlin spricht die IHK (Industrie- und Handelskammer) von einem Mangel an 121.000 Fachkräften, laut einer Statistik der BA (Bundesagentur für Arbeit) gibt es aber nur etwa 19.000 offene Stellen. Im gleichen Zeitraum suchen jedoch mehr als 77.000 Fachkräfte nach einer Anstellung.

Daraus lässt sich erkennen, dass viele offene Stellen gar nicht im Jobmonitor der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werden. Viele Unternehmen suchen vermehrt in Jobbörsen, den sozialen Netzwerken oder über Mundpropaganda.

Was sagt die Statistik über den Fachkräftemangel?

Viele Fachkräfte werden von den Statistiken gar nicht erfasst, da sie sich entweder in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit befinden oder um über die Runden zu kommen vorübergehend einen anderen Job gesucht haben.

Allein in Berlin spricht die IHK (Industrie- und Handelskammer) von einem Mangel an 121.000 Fachkräften, laut einer Statistik der BA (Bundesagentur für Arbeit) gibt es aber nur etwa 19.000 offene Stellen. Im gleichen Zeitraum suchen jedoch mehr als 77.000 Fachkräfte nach einer Anstellung.

Daraus lässt sich erkennen, dass viele offene Stellen gar nicht im Jobmonitor der Bundesagentur für Arbeit gemeldet werden. Viele Unternehmen suchen vermehrt in Jobbörsen, den sozialen Netzwerken oder über Mundpropaganda.

So gesehen, sind die Statistiken wenig aussagekräftig.

In welchen Branchen ist der Fachkräftemangel in Deutschland besonders hoch?

Der Mangel an Fachkräften in Deutschland unterscheidet sich regional. Besonders in den Bereichen Altenpflege und Gesundheit wird händeringend nach qualifiziertem Personal gesucht. Doch auch in der Klempnerei, der Energietechnik und der Softwareentwicklung gibt es viele offene Stellen.

In erster Linie wird nach Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung gesucht, doch es mangelt auch an Technikern und Handwerkern sowie Ärzten, Ingenieuren und Informatikern.

Warum in die Ferne schweifen, wenn die Lösung doch so nahe liegt

Laut dem IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) passen die speziellen Anforderungen der einzelnen Unternehmen nicht mit den Qualifikationen der Bewerber zusammen.

Doch anstatt in die heimischen Akademiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und sonstigen Fachkräfte zu investieren suchen viele Firmen im Ausland nach perfekt passenden Mitarbeitern.

Wäre es nicht viel einfacher bereits ausgebildete heimische Fachkräfte intern zu schulen und mit den nötigen Kenntnissen für die zu besetzende Position zu versorgen? Oft sind Unternehmen im Bewerbungsprozess zu wählerisch und gibt Fachpersonal trotz guter Ausbildung und dem nötigen Grundwissen erst gar nicht die Chance sich zu beweisen.

Möglichkeiten dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, um geeignete Fachkräfte zu finden?

Wir von Truchseß & Brandl sind der Meinung, dass Unternehmen ihren Bewerbungsprozess überdenken sollten. Der vermehrte Einsatz von Frauen, älteren Personen, Jugendlichen und Menschen mit Migrationshintergrund sowie eine attraktivere und flexible Gestaltung des Arbeitsumfeldes können neue Perspektiven bringen.

Oftmals haben Frauen im gebärfähigen Alter schlechte Chancen am Arbeitsmarkt und ältere Personen werden nicht gerne eingestellt, weil sie obwohl sie viel Erfahrung und spezifisches Fachwissen mitbringen, einfach mehr kosten. Junge Arbeitsuchende sind zwar billiger, bringen aber nicht die nötige Erfahrung mit.

Setzt ein Unternehmen ihren Fokus auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schafft anstatt 5 Vollzeitstellen, 10 Teilzeitstellen, profitieren sowohl das Unternehmen als auch arbeitsuchende Fachkräfte.

Viele Arbeitsuchende bringen eine gute Ausbildung und ein hohes Leistungs- und Qualifikationspotenzial mit. Unternehmen müssen lernen, dass sich die Investition in ArbeitnehmerInnen auszahlt. Geeignete Weiterbildungsangebote, eine gute Balance zwischen Berufsalltag und Privatleben, die Möglichkeit zu einer funktionierenden Gesundheitsvorsorge und eine bessere Integration von Menschen mit Behinderungen machen offene Fachkräftestellen attraktiver.

Eine weitere Möglichkeit geeignetes Personal zu finden bietet die überregionale Suche. In vielen Branchen herrscht ein regionales Ungleichgewicht, so suchen Firmen im Süden Deutschland verstärkt nach Personal, welches im Norden Deutschlands keine passenden Stellen findet. Eine Ausweitung der Suche in ganz Deutschland würde diesem Problem entgegenwirken.

Fazit

In einigen Branchen herrscht tatsächlich ein Fachkräftemangel. Dies rührt jedoch nicht am Mangel von qualifiziertem Personal, sondern eher an der Einstellung der Unternehmen. So beispielsweise im Pflege- und Gesundheitsbereich, schlechte Arbeitsbedingungen und ein geringer Lohn machen die Branche schon lange nicht mehr attraktiv für arbeitsuchendes Fachpersonal.

Das gleiche gilt für die Baubranche, Reinigungskräfte und Kellner. Doch auch Ingenieure, junge Akademiker und Techniker sind davon betroffen.

Mehr Flexibilität der Unternehmen im Bewerbungsprozess kann helfen nicht besetzbare Stellen abzubauen.