062229717150 info@truchsessbrandl.de Facebook Instagram Xing Linked-In Youtube Spotify

Die Suche nach dem “perfect match” oder “if you can't see it it doesn't exist”

Laut einer aktuellen Studie der Bundesagentur für Arbeit sind 52 % aller Vakanzen 90 Tage oder länger unbesetzt, in der Spitze sind es sogar 220 Tage.

Somit sprechen wir nicht nur über einen reinen Fachkräftemangel im IT, Pflegekräftebereich oder bei Ingenieursstellen, sondern einem allgemeinen Arbeitskräftemangel. Das zeichnete sich bereits vor der Coronapandemie ab. Soweit die Statistik.

In der Praxis zeigen jedoch Mystery Shoppings, also die Durchführung von Testbewerbungen, im Rekrutierungsbereich klar auf, dass es einen Optimierungsbedarf im Bewerbungsmanagementprozess bei den Unternehmen gibt. Eine von Stepstone veranlasste Studie im Herbst 2020 unterstützt diese Resultate.

Woran scheitern also die Stellenbesetzungen in Deutschland- ganz unabhängig des viel diskutierten Fachkräftemangels?

Bewerbende wünschen sich grundsätzlich Wertschätzung, Transparenz und Geschwindigkeit bei den Abläufen.

58,3 % der Testpersonen gaben an, dass sie Ghosting, also das Nichtmelden von Unternehmen auf Bewerbungen, erlebt haben. Besonders wichtig, zu erwähnen ist dabei, dass es sich um ausgeschriebene Stellen und um keine Initiativbewerbungen handelte. In vielen Fällen zogen sich auch die Entscheidungsprozesse über einen mehrmonatigen Zeitraum hin und eine Information über den aktuellen Bewerbungsstand erfolgte durchgehend nicht.

Wenn Testbewerber vorab sich telefonisch zu den Stellen erkundigen wollten, wurden sie sehr schnell gebeten, ihre Unterlagen zu schicken. Die Telefonate hatten eine Dauer zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten. Wertschätzung sieht und vor allem fühlt sich anders an. Die Testbewerber gaben alle an, sie hätten sich über Fragen zu ihren Wünschen und ihrer Person gefreut und waren entsprechend enttäuscht. Ihr Interesse, sich bei diesen Firmen zu bewerben, sank rapide ab.

Bei Nachfrage bei den Verantwortlichen gab es dann ehrliches Feedback zu diesen Situationen. Zum einen herrschte die Meinung vor, dass „gute Fachkräfte nicht anrufen, sondern immer ihre Unterlagen schriftlich einreichen.“ Entsprechend behandelte man unbewusst telefonische Anfragen. Zum anderen signalisierten die Recruiter, dass sie sich in Bewerbungsgesprächen mit Unterlagen wohler fühlten und Anrufe im Tagesgeschäft stören.

Erschwerend kommt hinzu, dass gerade die Fachabteilungen sich der Situation auf dem Arbeitnehmermarkt noch nicht bewusst sind und daher nicht bewerberzentriert denken und handeln.

Im Irrglauben an den perfect match.

Dabei wäre es meist so leicht, Bewerbenden ein gutes Gefühl zu vermitteln. Denn die meisten von ihnen- wie wir alle- wollen eigentlich einfach nur gesehen werden.