Hemmende Glaubenssätze – Was spukt da rum?

Ob Angsthasen mit hängenden Ohren oder Sklaventreiber mit ständig erhobenem Zeigefinger: Wir alle bergen in unserem Kopf ein Kaleidoskop kurioser Weggefährten – unsere Hirngespenster. Hirngespenster sind hemmende Glaubenssätze, die uns blockieren und hinter unsere Möglichkeiten zurückfallen lassen. Nicole Truchseß mit einem Abwehrprogramm gegen die lästigen Kopfkobolde.

Dafür habe ich kein Talent“, „Das hat bei uns noch nie geklappt“, „Beim gegenwärtigen Fachkräftemangel muss man nehmen, was man bekommen kann“, „Als Führungskraft wird man geboren, Führen kann man nicht lernen. “ Solche und ähnliche Glaubenssätze kennt jeder. Sie sind normal. Denn kein Mensch kann jederzeit alles kritisch hinterfragen und sorgfältig prüfen. Wir alle brauchen einfache Faustregeln, um durch den Alltag zu kommen.

Solche Heuristiken können auf Verallgemeinerungen eigener Erfahrungen beruhen oder auf dem, was wir in unserem sozialen Umfeld mehr oder weniger bewusst aufgesogen haben. Es gibt Glaubenssätze, die von vielen Menschen, von Gruppen, Familien oder auch Firmen geteilt werden, und andere, die höchst individuell sind. Glaubenssätze, sind subjektive Annahmen über die eigene Person, über andere Menschen und das Leben insgesamt. Es gibt hilfreiche und hemmende unter ihnen. Die hemmenden nenne ich gern Hirngespenster, weil sie uns wie alle Glaubenssätze selten bewusst sind, sondern wie ein Spuk durchs Hirn geistern. Sie sind nicht ganz so schlimm wie echte, ausgewachsene Hirngespinste. Aber auch sie treiben ein betrügerisches Spiel mit uns. Denn sie bringen uns dazu, zu glauben, wir hätten den vollen Durchblick, wir sähen die Dinge genau so, wie sie sind. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Denn Hirngespenster sind Glaubenssätze, die mit der Wirk- lichkeit nicht viel zu tun haben. Sie treiben ihren Schabernack mit uns, indem sie uns unsichtbare Fesseln anlegen, uns in un- serer Entwicklung hemmen und hinter unsere Möglichkeiten zurückfallen lassen. Simples Beispiel: Wer schon als Kind lernt: „In unserer Familie sind wir eher unsportlich“, braucht vielleicht viele Jahre, bis er entdeckt, dass er der geborene Surfer ist. Oder – schlimmer noch – er oder sie traut sich niemals ins Wasser.

Alte Ursprünge: Wo Hirngespenster herkommen

Das Beispiel ist nicht zufällig gewählt, zeigt es doch: Der Ursprung vieler Hirngespenster liegt in der Kindheit. Jedes Kind liebt seine Eltern, und nimmt das, was sie sagen und vorleben, für bare Münze. Und es zimmert sich aus dem, was es beobachtet und erfährt, sein eigenes Weltbild zusammen. Wie anfällig wer für welche Hirngespenster ist, ist jedoch nicht nur eine Frage von Erziehung und Vorbildern, es hat auch mit unserer Persönlichkeit zu tun. Unser Naturell kann uns anfälliger oder weniger anfällig für bestimmte Lebenshaltungen machen.

Bedenkenswert ist, dass viele Lehren unserer Kindheit, die wir – je nach Naturell – bereitwillig akzeptiert haben, auf eine alte Welt zugeschnitten sind, die längst nicht mehr existiert. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist zum Beispiel so ein Glaubenssatz, der heute, in einer sich schnell und ständig wandelnden Welt zum Problem werden kann. Denn womöglich verliert die Person, die ihn hegt, damit jede Chance auf eine gesunde Work-Life-Balance. Das heißt: Manche Hirngespenster waren ursprünglich gar keine Gespenster, sondern eine gesunde Anpassung an die damaligen Herausforderungen. Zu irrealen Trugbildern sind sie erst unter neuen Umfeldbedingungen geworden. Das Verzwickte ist: Haben Hirngespenster erst einmal das Licht der Gedanken-Geisterwelt erblickt, sind sie kaum noch totzukriegen. Und dazu tragen wir selbst kräftig bei, denn wir bieten unseren Hirngespenstern unbewusst reiche Nahrungsgrundlagen.

Nahrungsgrundlagen: Was Hirngespenster groß und stark macht

Eine der Hauptnahrungsquellen der Hirngespenster sind selbsterfüllende Prophezeiungen. Wer beispielsweise überzeugt ist, „nichternst genommen zu werden“, schweigt in Meetings womöglich häufig oder gerät ins Stottern, wenn er etwas sagt – und wird genau deshalb letztlich tatsächlich nicht ernst genommen. Hirngespenster lieben solche Situationen, in denen Menschen erst durch ihr Verhalten genau das bewirken, was sie sich zuvor eingeredet haben.

Eine weitere reiche Nahrungsquelle für Hirngespenster ist die Selektivität der menschlichen Wahrnehmung. Das Gehirn kann nur den Bruchteil der auf es einströmenden Sinnesreize bewusst verarbeiten. Dabei konzentriert es sich auf Reize, die unseren Interessen oder unseren Erwartungen entsprechen, und auf Signale, die für uns emotional besetzt sind. Derselbe Mechanismus sorgt dafür, dass Ereignisse, die einen Glaubenssatz bestätigen, mit großer Akribie bestätigt werden, während gegenteilige Ereignisse, die dem Hirngespenst widersprechen, großzügig übersehen oder relativiert werden. Für Hirngespenster ein wahres Powerfood. Die wohl gehaltvollste Nahrungsgrundlage, an der sich unsere Hirngespenster laben, ist allerdings unsere Bequemlichkeit.

Hirngespenster werden allzu bereitwillig beherbergt

Hirngespenster locken mit kurzfristigen Vorteilen und verschleiern die langfristigen Nachteile, die sie im Gepäck haben. Das ist ihr Erfolgsgeheimnis. Sie erinnern damit an halbseidene Kreditanbieter, die „Bar- geld sofort“ versprechen – und hinterher saftige Zinsen kassieren. Die Verheißungen der Hirngespenster zielen in eine ähnliche Richtung: „Folge mir, und du musst nichts ändern. Alles ist gut, so wie es ist. Und wenn es nicht gut ist, sind andere schuld.“

Kein Wunder, dass wir unsere Hirnge- spenster hätscheln und uns von ihnen be- reitwillig durchs Leben begleiten lassen. Wer glaubt, „als Frau sowieso keine Chance auf den Führungsposten“ zu haben, versucht erst gar nicht, sich auf den Posten zu bewer- ben. Er erspart sich damit Aufregung und Anstrengung, handelt sich aber mitunter dauerhaften Karrierefrust ein. Wer fest über- zeugt ist, dass „die Schnellen die Langsamen fressen“, agiert als Führungskraft womöglich übereilt und überstürzt – mit dem Ergebnis, sich kurzfristig emotional zu entlasten, sich aber langfristig mit den Folgen falscher Entscheidungen herumschlagen zu müssen.

Neben Bequemlichkeit und Gewohnheit („Ich bin eben nicht kommunikativ, da kann man nichts machen“) nutzen Hirngespenster noch viele weitere menschliche Bedürfnisse schamlos für sich aus. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Sicherheit („Nein, ich versuche lieber keinen Jobwechsel, denn: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“), das Bedürfnis nach Selbstwert-Rettung („Ich bin nicht schuld am schlechten Ergebnis unserer Abteilung. Meine Mitarbeiter taugen alle nichts“), das Bedürfnis nach Konfliktvermeidung („Das kann ich meinen Mitarbeitern nicht antun“) oder – bei Führungskräften häufig anzutreffen – das Bedürfnis danach, den Durchblick zu haben: „An der Spitze wird die Luft dünner – so ist das nun mal.“

Hirngespenster schaden auch der Führungsqualität

Das Tückische ist: Hirngespenster können nicht nur ihrem eigenen Halter schaden. Der Schabernack, den sie mit ihm treiben, beeinträchtigt auch andere. „Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Sie in Ihrem Alter noch mal einen Job finden“, sagte der Berater der Arbeitsagentur zu einer Klientin Anfang 50, die zuvor fünfzehn Jahre lang als Lizenzeinkäuferin bei einem Verlag, der Insolvenz anmelden musste, tätig war. Wohlgemerkt: Die Frau war dreisprachig, blickte auf drei Jahrzehnte Berufserfahrung zurück. Trotzdem kam ihr der Sachbearbeiter mit seinem Hirngespenst „Über 50 ist keiner mehr vermittelbar“. Warum? Weil es vordergründig Vorteile für ihn hatte. An erfolgloser Vermittlung war automatisch nicht er, sondern die Bewerberin schuld (Selbstwert-Rettung). Groß anzustrengen brauchte er sich auch nicht (Bequemlichkeit). Und sein Standardrat „Machen Sie sich doch selbstständig“ erschien „alternativlos“ (Durchblick). Die Lizenzfrau arbeitet heute als Führungskraft bei einem anderen Verlag. Eine weniger selbstbewusste Bewerberin hätte das Hirngespenst des Beraters jedoch womöglich übernommen – mit den entsprechenden Folgen.

So wie der Arbeitsagenturberater tragen auch Führungskräfte viel Verantwortung für andere Menschen. Ob Mitarbeiter gerne und gut arbeiten, hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut die Beziehung zwischen ihnen und der Führungskraft ist. Dabei spielt es eine große Rolle, sich vorurteilsfrei zu begegnen, ohne störende Glaubenssätze. Doch, weit gefehlt: Die Evolution der Hirngespenster hat auch jede Menge Exemplare hervorgebracht, deren bevorzugtes Biotop das Gehirn von Führungskräften ist. „Nur Zahlen zählen“, „Ohne Druck geht bei uns nichts“ oder „Mitarbeiter sind von Natur aus faul und nicht intrinsisch motiviert“, sind typische Exemplare, die die Führungsqualität und Qualität der Zusammenarbeit letztlich empfindlich schmälern können. Ein Beispiel: Dass Mitarbeiter von Natur aus eher faul sind und nicht gern Verantwortung übernehmen, wird wie so viele Hirngespenster schnell zur Self Fulfilling Prophecy. Denn eine Führungskraft mit dieser Denke zieht alles an sich, setzt auf Kontrolle statt Vertrauen, auf Anweisung statt Freiraum – und erreicht gerade damit, dass ihre Mitarbeiter unselbstständig wer- den, keine Verantwortung übernehmen mögen und Dienst nach Vorschrift machen.

Gespensterjagd: Hemmende Glaubenssätze aufspüren

Am mächtigsten wirken die Hirngespenster, wenn es nicht so läuft, wie wir es gern hätten. Wenn uns Misserfolge, Ärger, Frust, Wut oder Unsicherheit im Griff haben, sind unsere Kopfkobolde besonders aktiv. Die Führungskraft hat den abgelieferten Bericht kritisiert? „Dem kann man sowieso nichts recht machen.“ Der Kundenauftrag ist an uns vorbeigegangen? „Die Konkurrenz wird eben immer größer.“ Das Perfide daran: Unsere Hirngespenster machen die Sache meist noch schlimmer, als sie ist. Sie sorgen dafür, dass wir das Problem nicht bei der Wurzel packen, uns stattdessen als hilfloses Opfer sehen. Dass wir falsche Schuldige suchen oder aus einer Mücke einen Elefanten machen. Bekommen wir dagegen den Auftrag, lobt uns der Chef, sind die Hirngespenster arbeitslos.

Immerhin jedoch sind Hirngespenster ziemlich lautstarke Gesellen. Sie plappern drauf los, reden dazwischen. Das heißt: Wer eine Zeitlang dem eigenen Gedankenfluss lauscht, dem können sie nicht verborgen bleiben. Wollen wir ihnen beikommen, gilt allerdings das Motto: Gut Ding will Weile haben. Die beste Zeit, sich mit seinen Hirngespenstern auseinanderzusetzen, ist dann, wenn diese ihren Griff gelockert haben, wenn man sich also entspannt und ausgeglichen fühlt. Ist man dagegen schlecht drauf oder gestresst, blockiert das Gehirn neues Denken.

Um hinderliche Denkmuster schachmatt zu setzen, gibt es Übungen für den Akutfall, wenn das Hirngespenst sozusagen schon im Hausflur steht, und solche, mit denen man daran arbeiten kann, seinen Schadgeist langfristig in die Wüste zu schicken. Im Akutfall helfen Methoden, die den negativen Gedankenfluss kurzfristig unterbrechen. Man kann sich beispielsweise innerlich Stopp sagen, sich möglicherweise sogar vorstellen, ein Stoppschild in den Boden zu rammen, an dem das Hirngespenst haltmachen muss. Vor allem aber sollte man aktiv werden, konkrete nächste Schritte planen – und diese dann auch in Angriff nehmen. Etwa: Geistert einem vor einer wichtigen Präsentation das Hirngespenst „Ich kann einfach nicht frei sprechen“ im Kopf herum, kann man diesem Paroli bieten, indem man sich überlegt, wie man sich gründlich vorbereiten kann, und sich einen wohlmeinenden Sparringspartner sucht, dem man die Präsentation probehalber vortragen kann.

Richtig gut können wir unseren Hirngespenstern aber erst auf lange Sicht an den Kragen gehen. Und der erste Schritt dabei ist sorgfältige Selbstbeobachtung über eine längere Zeitspanne hinweg: Welche Maximen, Überzeugungen, Lebensregeln geistern im eigenen Kopf besonders oft herum? Was genau denkt man zum Beispiel vor dem nächsten Meeting mit dem Chef? Was nach einem schwierigen Kundentelefonat? Welche Gedanken ziehen einem durch den Kopf, während man mit den Kollegen im Meeting sitzt?

Auf Du und Du mit „Quatschi“: Hirngespenster beim Namen nennen

Hilfreich bei der Selbstbeobachtung ist eine gewisse Grundkenntnis darüber, welche Untergattungen die große Gattung der Hirngespenster umfassen kann (siehe dazu Kasten, Seite 62). Da gibt es zum Beispiel typische Gespenster der Mutlosigkeit („Das kann ich niemals schaffen“), Gespenster, die als Sklaventreiber auftreten („Von nichts kommt nichts“) und solche, die ausschließlich Führungskräfte heimsuchen („Nicht geschimpft, ist genug gelobt“). Doch, egal, welches Gepräge das jeweilige Gespenst hat: Es gibt einen Trick, der es ihm schwerer macht, unbewusst im Hintergrund die Strippen zu ziehen: Man gibt ihm einen Namen. Der Psychologe Jens Corssen beispielsweise nennt die innere Stimme, die sich immer wieder ungewollt in seinen Gedankenfluss einmischt, „Quatschi“. Seine Empfehlung: Jemanden wie Quatschi sollte man wie einen alten Kumpel begrüßen.

Klingt ein bisschen banal, kann aber tatsächlich ein erster Schritt sein, um wieder Herr beziehungsweise Herrin der eigenen Gedanken zu werden. Gut ist auch, auf Glaubenssätze im eigenen Umfeld zu achten und diese zu notieren. Das fällt einem mitunter wahrscheinlich sogar leichter, als eigene Glaubenssätze zu erkennen. Doch man wird überrascht sein, wie häufig im Alltag subjektive Überzeugungen als allgemeine Regeln verkauft und von einem selbst oft genug auch hinterfragt adaptiert werden. Kaltakquise funktioniert heutzutage nicht mehr? An die wahren Entscheider kommt man als Verkäufer nicht ran? Ohne disruptive Innovationen kann man heute nicht mehr erfolgreich sein? Als Führungskraft kann man nicht Teilzeit arbeiten? Wie wäre es, denjenigen, der solche Glaubenssätze kundtut, einfach mal ganz konkret zu fragen: „Woher wissen Sie das?“ oder „Wie kommst du da drauf?“ Die Antwort dürfte relativ häufig ein hilfloses Stottern sein.

Sprache ist verräterisch: Vorsicht bei Verabsolutierungen

Wer seine Glaubenssätze identifiziert hat, kann eine Liste anfertigen, diese durchgehen und jene markieren, auf die mindestens eines der folgenden Merkmale zutrifft:

  •  Man fühlt sich schlecht, wenn man den Satz liest.
  •  Es fallen einem bei gründlicher Überlegung Situationen ein, in denen einem der Satz schon Erfolge verbaut und Misserfolge beschert hat.
  •  Man ist mit dem Satz wiederholt bei an- deren angeeckt.

Alle drei Merkmale sind Indizien dafür, dass es sich hier um ein veritables Hirngespenst handelt, also einen negativen, hemmenden Glaubenssatz. Auch Sprache ist verräterisch: Vor allem, wenn bei einem Ge- danken Verallgemeinerungen und Verabsolutierungen wie „immer“, „nie“, „keiner“ im Spiel sind, ist Gespensteralarm angebracht. Auch Ärger ist ein gutes Indiz für Kopfspuk. Wenn einen zum Beispiel jede kleine Verzögerung erbittert denken lässt „Wie kann der mir das antun?“, könnte das daran liegen, dass einen ein Opfer-Hirngespenst im Griff hat. Typische Grundhaltung: „Die anderen sind ja alle sooo gemein zu mir“.

Schluss mit dem Schabernack: Hirngespenster austricksen

Sich selbst besser zu verstehen, ist ein erster wichtiger Schritt, um sich dem Gepolter der Hirngespenster nicht völlig ahnungslos auszuliefern. Wie aber schickt man seine Plagegeister dann auch tatsächlich in die Wüste? Eine gute Methode, Hirngespenstern die Energie zum Herumgeistern zu nehmen, besteht darin, sie ans Tageslicht der Realität zu zerren.

Wer kennt sie nicht – die berühmte Szene aus Monty Pythons Kultfilm „Das Leben des Brian“? In besagter Szene fragt der Anführer der „Judäischen Volksfront“ seine versammelten Kampfgefährten rein rhetorisch: „Was haben sie (also die Römer) dafür schon als Gegenleistung erbracht?“ Ein paar Sekunden später gehen die Fin- ger nach oben und es hagelt – sehr zum Verdruß des Anführers – nur so Lobprei- sungen auf die Römer: „Die medizinische Versorgung“, „Das Schulwesen“, „Und erst der Wein!“ Schöner kann man kaum auf den Punkt bringen, wie gefährlich die ernsthafte Nachprüfung von Parolen jedweder Art ist – für die Parolen und die, die sie verbreiten.

Will heißen: Viele Hirngespenster verlieren an Kraft, wenn wir sie mit Fakten konfrontieren. Konkrete Fragen sind daher eine gute Waffe gegen sie:

  • Stimmt das denn wirklich, was mir da durch den Kopf ging?
  • Welche Belege gibt es dafür?
  • Gibt es auch Gegenbeispiele?
  • Habe ich das wirklich ernsthaft gespürt oder möchte ich es nur glauben?
  • Was bringt mir das?
  • Was wäre, wenn ich unterstelle, dass der Gedanke falsch ist und ich das Gegenteil annehme?
  • Welche Vorteile hätte das dann?

Nicht immer jedoch muss man Hirngespenster komplett in die Wüste schicken. Tatsächlich haben manche von ihnen auch ihre vorteilhaften Seiten – und die kann man mit der Technik des Reframing he- rausschälen. Beispiel: Wer sich mit dem Glaubenssatz „Ich muss für alles kämpfen“ das Leben schwer macht, kann diesem den Stachel ziehen, indem er ihn umdeutet zu „Ich bin hartnäckig und diszipliniert. Und habe dadurch viel erreicht“. Das hilft, gelassener mit Hirngespenstern umzugehen – und im Idealfall anders zu handeln als bisher. Austricksen lassen sich Hirngespenster auch, wenn wir bewusst auf unsere Sprache achten – und die Anstrengung unternehmen, einen Satz wie „Der Kollege macht mich krank“ zum Beispiel in „Der Kollege erfordert Geduld“ umzumünzen. Denn es ist tatsächlich so, dass man sich selbst in Rage reden kann. Negative Worte rufen negative Gefühle hervor. Das heißt: Je stärker wir mit Negativworten operieren, desto stärker verfestigen sich auch negative Denk- und Emotionsmuster in unserem Kopf.

Hirngespenster hassen positive Gegenspieler

Wer es kreativ mag, kann auch zu etwas ungewöhnlicheren Methoden greifen, um seinen Hirngespenstern Paroli zu bieten. Zum Beispiel: das Hirngespenst lächerlich machen. Wem zum Beispiel der Gedanke „Das Leben ist ungerecht“ oft durch den Kopf wabert, könnte man ihn sich als Gegenmaßnahme wie einen pitschnassen begossenen Pudel vorstellen. Klingt etwas banal, aber: Nicht ohne Grund fürchten Diktatoren aller Art kaum etwas so sehr wie Kabarettisten und Karikaturisten. Auslachen ist subversiver als Kritisieren. Und auch der Einfluss eines Hirngespenstes lässt sich durch Lachen untergraben.

Da Hirngespenster am liebsten auf der Welle negativer Emotionen surfen, besteht auf lange Sicht eine der wirkungsvollsten Methoden gegen sie freilich darin, ihnen diese Nahrungsgrundlage zu entziehen. Indem man Maßnahmen der emotionalen Selbstregulation erlernt und – im Sinne der positiven Psychologie – Eigenschaften trainiert, die zum eigenen Glücksempfinden beitragen, etwa Offenheit, Dankbarkeit und Durchhaltevermögen. Eine einfache, aber gute Übung, um Gegenspieler gegen Hirngespenster aufzubauen, ist zum Beispiel das Führen eines Erfolgstagebuchs. Denn: Würdigen wir das Gute und Schöne im Leben stärker, dann brechen magere Zeiten für unsere Hirngespenster an.

Nicole Truchseß

2018-08-09T08:39:31+00:00August 9th, 2018|Categories: Blog, TOP AKTUELL|0 Comments

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